top of page

Private Krankenversicherung – lohnt sich das in Österreich?

28. Mai 2024
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Sept.


Eine private Krankenversicherung ist für viele Menschen in Österreich ein Thema, über das sie irgendwann nachdenken.


Vielleicht nach einem Krankenhausaufenthalt. Vielleicht, wenn in der Familie ein Kind geboren wird.

Vielleicht auch einfach mit dem Gedanken: Was passiert, wenn ich einmal mehr medizinische Leistungen brauche?


Dabei stellt sich schnell eine Frage:

Brauche ich überhaupt eine private Krankenversicherung, wenn ich bereits gesetzlich versichert bin?


Die kurze Antwort lautet:

Eine private Krankenversicherung ersetzt die gesetzliche Krankenversicherung in Österreich grundsätzlich nicht. Sie ist in erster Linie eine zusätzliche Absicherung und kann – abhängig vom gewählten Tarif – Leistungen ermöglichen, die über die gesetzliche Grundversorgung hinausgehen.


Ob sich diese zusätzliche Absicherung lohnt, lässt sich deshalb nicht für jeden Menschen gleich beantworten.


Es kommt darauf an, was Ihnen persönlich wichtig ist, welche Leistungen Sie absichern möchten und wie viel Sie dafür langfristig ausgeben möchten.




Die gesetzliche Krankenversicherung ist die Grundlage


In Österreich besteht für viele Menschen eine gesetzliche Krankenversicherung. Sie bildet die Basis der medizinischen Versorgung.


Die e-card weist unter anderem den Krankenversicherungsschutz nach und ermöglicht den Zugang zum österreichischen Gesundheitssystem. Auf der e-card selbst werden keine medizinischen Daten gespeichert.


Das bedeutet:

Wenn Sie gesetzlich versichert sind, haben Sie bereits eine wichtige Absicherung für Krankheit und medizinische Behandlung.


Eine private Krankenversicherung kommt zusätzlich dazu.


Das ist ein wichtiger Punkt, denn manchmal entsteht der Eindruck, man müsse sich zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung entscheiden.

In Österreich ist das normalerweise nicht die Frage.


Vielmehr geht es um:

Was bietet mir die gesetzliche Krankenversicherung – und welche zusätzlichen Leistungen möchte ich privat absichern?


Was bedeutet private Krankenversicherung?


Eine private Krankenversicherung ist eine freiwillige Zusatzversicherung.

Sie wird individuell vereinbart.

Das bedeutet: Nicht jede private Krankenversicherung bietet automatisch dieselben Leistungen.


Es gibt unterschiedliche Tarife und Bausteine. Je nach Vertrag können beispielsweise ambulante Leistungen, stationäre Leistungen oder weitere gesundheitliche Leistungen versichert sein.


Der konkrete Leistungsumfang steht immer im jeweiligen Versicherungsvertrag.


Deshalb sollte man bei einer privaten Krankenversicherung nicht nur auf den Preis schauen.


Entscheidend ist vor allem:

Was bekomme ich tatsächlich für meine Prämie?


Denn zwei Versicherungen können auf den ersten Blick ähnlich aussehen und trotzdem einen deutlich unterschiedlichen Leistungsumfang haben.


Welche Bereiche kann eine private Krankenversicherung abdecken?


Eine private Krankenversicherung kann aus verschiedenen Bausteinen bestehen.


Ambulante Krankenversicherung

Bei einer ambulanten Versicherung geht es grundsätzlich um Leistungen außerhalb eines stationären Krankenhausaufenthalts.


Welche Kosten übernommen werden, hängt vom jeweiligen Tarif ab.


Das kann beispielsweise bestimmte ärztliche oder therapeutische Leistungen, Medikamente, Heilbehelfe oder andere vereinbarte Gesundheitsleistungen betreffen.


Die genauen Leistungen unterscheiden sich jedoch von Tarif zu Tarif.


Wichtig: Den Unterschied zwischen Kassenarzt, Wahlarzt und Privatarzt erkläre ich ausführlich in einem eigenen Beitrag. Deshalb möchte ich dieses Thema hier nicht wiederholen.


Stationäre Krankenversicherung

Ein weiterer Bereich ist die Absicherung bei einem Krankenhausaufenthalt.

Hier kann beispielsweise eine Sonderklasseversicherung vereinbart werden.

Auch hier entscheidet der konkrete Vertrag darüber, welche Leistungen enthalten sind, welche Krankenanstalten berücksichtigt werden und welche Kosten übernommen werden.


Kombinationen

Es gibt auch Tarife, die verschiedene Bereiche miteinander verbinden.

Zum Beispiel kann eine ambulante Absicherung mit einer stationären Versicherung kombiniert werden.


Das hat einen einfachen Vorteil:

Sie können den Versicherungsschutz stärker an Ihre persönliche Situation anpassen.


Aber auch hier gilt:

Mehr Leistungen bedeuten normalerweise auch eine höhere Prämie.


Warum schließen Menschen eine private Krankenversicherung ab?


Die Gründe sind sehr unterschiedlich.


Für die einen steht die Wahlmöglichkeit im Mittelpunkt.


Für andere ist es wichtig, bei einem Krankenhausaufenthalt zusätzliche Leistungen abgesichert zu haben.


Wieder andere möchten sich gegen bestimmte private Gesundheitskosten absichern.


Und manche Menschen denken langfristig:

Ich möchte mich bereits heute um meine gesundheitliche Absicherung kümmern, solange ich gesund bin.


Genau dieser letzte Punkt wird häufig unterschätzt.


Eine private Krankenversicherung ist keine Versicherung, die man erst dann abschließt, wenn bereits ein konkretes gesundheitliches Problem besteht.


Beim Abschluss werden in der Regel Gesundheitsfragen gestellt. Der Versicherer beurteilt auf dieser Grundlage das individuelle Risiko. Je nach Situation können beispielsweise Zuschläge, Ausschlüsse oder andere Vertragsbedingungen eine Rolle spielen.


Deshalb kann der Zeitpunkt des Abschlusses eine wichtige Rolle spielen.


Was kostet eine private Krankenversicherung?


Eine häufige Frage lautet:

„Was kostet eine private Krankenversicherung?“


Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht.


Die Prämie kann unter anderem vom Eintrittsalter, Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss, gewählten Leistungsumfang, Tarif und möglichen Selbstbehalten abhängen. Auch regionale Tarifvarianten können eine Rolle spielen.


Ein Selbstbehalt kann beispielsweise die laufende Prämie reduzieren. Dafür übernehmen Sie im Leistungsfall einen vereinbarten Teil der Kosten selbst.


Hier sollte man nicht nur fragen:

„Wie günstig ist die Versicherung?“


Sondern auch:

„Welche Kosten können im Ernstfall trotzdem bei mir bleiben?“


Das ist ein wichtiger Unterschied.


Eine niedrige Prämie kann auf den ersten Blick attraktiv sein. Wenn dafür aber wichtige Leistungen fehlen oder ein hoher Selbstbehalt vereinbart ist, muss man die Gesamtsituation betrachten.


Was passiert mit der Prämie im Laufe der Jahre?


Eine private Krankenversicherung ist normalerweise eine langfristige Entscheidung.


Deshalb sollte man nicht nur betrachten, was eine Versicherung heute kostet.


Auch mögliche Prämienanpassungen und die langfristige finanzielle Belastung sollten berücksichtigt werden.


Für Krankenversicherungen gibt es dabei besondere gesetzliche Regelungen. Bei Prämienerhöhungen besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein gesetzliches Widerspruchsrecht.

Je nach Vertrag können außerdem verschiedene Möglichkeiten bestehen, den Leistungsumfang oder Selbstbehalt anzupassen.


Das bedeutet:

Die Frage „Kann ich mir die Versicherung heute leisten?“ ist genauso wichtig wie die Frage „Passt sie auch langfristig zu meiner finanziellen Situation?“


Eine Krankenversicherung sollte nicht zu einer Belastung werden, die man sich nach einigen Jahren nicht mehr leisten kann.


Warum ein früher Abschluss interessant sein kann


Bei einer privaten Krankenversicherung spielt das Eintrittsalter eine Rolle.


Grundsätzlich gilt:

Je früher eine solche Versicherung abgeschlossen wird, desto niedriger kann die Ausgangsprämie im Vergleich zu einem späteren Eintritt sein.


Noch wichtiger kann aber der Gesundheitszustand sein.


Bei einem späteren Abschluss können inzwischen aufgetretene Erkrankungen oder Beschwerden die Versicherbarkeit beeinflussen. Je nach Situation können daraus Zuschläge, Ausschlüsse oder andere Bedingungen entstehen.


Das bedeutet nicht, dass jeder junge Mensch sofort eine private Krankenversicherung abschließen muss.


Es bedeutet vielmehr:

Wenn Sie über eine private Absicherung nachdenken, sollte die Entscheidung nicht erst dann getroffen werden, wenn bereits ein gesundheitliches Problem besteht.


Was sollte man vor dem Abschluss genau anschauen?


Eine private Krankenversicherung sollte nicht nur anhand eines monatlichen Preises ausgewählt werden.


Ich würde vor allem auf folgende Punkte achten:


1. Welche Leistungen sind tatsächlich versichert?

Lesen Sie nicht nur die Überschrift des Tarifs.

Entscheidend sind die konkreten Versicherungsbedingungen und Leistungsgrenzen.


2. Gibt es Selbstbehalte?

Ein Selbstbehalt kann die laufende Prämie reduzieren.

Sie sollten aber wissen, welchen Betrag Sie im Leistungsfall selbst übernehmen müssen.


3. Gibt es Wartezeiten?

Je nach Tarif und Leistungsbereich können Wartezeiten vorgesehen sein.

Deshalb sollte man vor dem Abschluss wissen, ab wann welche Leistungen tatsächlich zur Verfügung stehen.


4. Gibt es Ausschlüsse oder Einschränkungen?

Nicht jede medizinische Leistung ist automatisch versichert.

Auch bestimmte Behandlungen, Erkrankungen oder Situationen können ausgeschlossen oder eingeschränkt sein.


5. Wie wurden die Gesundheitsfragen beantwortet?

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Gesundheitsfragen sollten vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Unvollständige oder falsche Angaben können später zu Problemen bei der Leistung führen.


6. Wie sieht die Versicherung langfristig aus?

Eine private Krankenversicherung begleitet Sie idealerweise über viele Jahre.

Deshalb sollte man auch überlegen, wie die Prämie und der gewünschte Leistungsumfang langfristig in die eigene finanzielle Planung passen.


Lohnt sich eine private Krankenversicherung für jeden?


Nein, das lässt sich nicht pauschal sagen.


Und genau deshalb finde ich die Frage „Lohnt sich das?“ eigentlich etwas zu kurz.


Die bessere Frage lautet:

„Welche zusätzlichen Leistungen sind mir persönlich wichtig?“


Für eine Person kann eine bestimmte Absicherung sehr wichtig sein.


Eine andere Person legt vielleicht weniger Wert darauf und möchte ihre finanziellen Mittel anders einsetzen.


Auch innerhalb einer Familie kann die Situation unterschiedlich sein.


Ein junger Mensch, eine Familie mit Kindern, ein Selbstständiger oder jemand kurz vor der Pension kann ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben.


Es gibt daher nicht den einen Tarif, der für alle Menschen passt.


Ein Beispiel aus dem Alltag


Stellen Sie sich vor, zwei Personen sind beide gesetzlich krankenversichert.


Beide haben damit eine grundlegende Absicherung.


Person A sagt:

„Für mich ist die gesetzliche Krankenversicherung ausreichend. Ich möchte keine zusätzliche monatliche Prämie bezahlen.“

Person B sagt:

„Mir sind zusätzliche Leistungen und bestimmte Wahlmöglichkeiten wichtig. Ich möchte dafür auch privat vorsorgen.“

Keine dieser Entscheidungen muss grundsätzlich richtig oder falsch sein.


Der Unterschied liegt in den persönlichen Prioritäten.


Person B entscheidet sich möglicherweise für eine private Krankenversicherung, weil ihr bestimmte zusätzliche Leistungen wichtig sind.


Person A möchte dieses Geld lieber für andere Bereiche verwenden.


Genau deshalb sollte eine private Krankenversicherung nicht als allgemeine Pflicht oder als Luxusprodukt betrachtet werden.


Sie ist eine freiwillige zusätzliche Absicherung, deren Sinn von der persönlichen Situation abhängt.


Was ich in meiner täglichen Beratung immer wieder erlebe


In meiner täglichen Beratung erlebe ich häufig, dass Menschen zuerst nur nach dem Preis fragen.


Das ist verständlich.


Aber bei einer Krankenversicherung sollte der Preis nicht der erste und auch nicht der einzige Punkt sein.


Viel wichtiger ist zunächst:

Was möchten Sie überhaupt absichern?


Erst wenn diese Frage geklärt ist, kann man überlegen, welcher Leistungsumfang sinnvoll sein könnte.


Denn eine Versicherung, die zwar günstig ist, aber im entscheidenden Moment nicht die Leistungen bietet, die Ihnen wichtig sind, kann am Ende enttäuschend sein.


Umgekehrt muss aber auch nicht jeder Mensch den umfangreichsten Tarif wählen.


Es geht darum, eine Lösung zu finden, die zu den eigenen Bedürfnissen und zur eigenen finanziellen Situation passt.


Private Krankenversicherung bedeutet nicht „alles privat“


Ein Missverständnis möchte ich an dieser Stelle noch ansprechen.


Eine private Krankenversicherung bedeutet nicht automatisch, dass plötzlich sämtliche Gesundheitskosten übernommen werden.


Auch bei einer privaten Versicherung gibt es:

  • vereinbarte Leistungsgrenzen,

  • Selbstbehalte,

  • Ausschlüsse,

  • Wartezeiten,

  • tarifliche Voraussetzungen

  • und bestimmte Regeln für die Kostenübernahme.


Die genaue Leistung ergibt sich immer aus dem jeweiligen Vertrag.


Deshalb ist es wichtig, vor dem Abschluss nicht nur zu fragen:


„Was kostet die Versicherung?“

Sondern:

„Was ist versichert, in welcher Höhe und unter welchen Voraussetzungen?“


Und was ist mit der gesetzlichen Krankenversicherung?


Die private Krankenversicherung sollte nicht als Ersatz für die gesetzliche Krankenversicherung verstanden werden.


In Österreich stehen beide Systeme in einem unterschiedlichen Verhältnis zueinander:

Die gesetzliche Krankenversicherung bildet die Grundlage der medizinischen Versorgung, während private Krankenversicherungen zusätzliche Leistungen und Absicherung anbieten können. Der Versicherungsverband Österreich beschreibt die private Krankenversicherung ebenfalls als ergänzenden Partner zur gesetzlichen Krankenversicherung.


Das ist wichtig, weil es bei der Entscheidung nicht um „gesetzlich oder privat“ geht.


Es geht vielmehr um:

„Reicht mir die gesetzliche Absicherung aus oder möchte ich bestimmte Bereiche zusätzlich privat absichern?“


Mein Fazit


Eine private Krankenversicherung kann eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung sein.


Aber sie ist keine Entscheidung, die für jeden Menschen gleich aussieht.


Entscheidend sind Ihre persönliche Lebenssituation, Ihre Wünsche, Ihr Gesundheitszustand, Ihr Budget und natürlich die Leistungen, die Sie tatsächlich absichern möchten.


Deshalb würde ich die Frage

„Lohnt sich eine private Krankenversicherung?“ nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten.


Ich würde zuerst genauer hinschauen:

Was ist mir wichtig? Was möchte ich zusätzlich absichern? Was kostet mich diese Absicherung langfristig? Und welche Leistungen bekomme ich dafür tatsächlich?


Wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich viel besser beurteilen, ob eine private Krankenversicherung zu Ihnen passt.


In weiteren Beiträgen werde ich einzelne Bereiche noch genauer erklären – zum Beispiel die Sonderklasse, die ambulante Krankenversicherung oder die private Krankenversicherung für Kinder.


Sie möchten wissen, welche Absicherung zu Ihrer persönlichen Situation passt?


Kontaktieren Sie mich gerne für einen kostenlosen und unverbindlichen Polizzen-Check HIER.


Gemeinsam können wir ansehen, welche Absicherungen bereits bestehen und wo es möglicherweise Lücken oder unnötige Überschneidungen gibt.

Kommentare


bottom of page