Berufsunfähigkeit in Österreich – genaue Regeln, Zahlen und Voraussetzungen einfach erklärt
Aktualisiert: 4. Okt.
Viele Menschen denken:
„Wenn ich krank werde und nicht mehr arbeiten kann, bekomme ich automatisch eine Pension.“
So einfach ist es in Österreich nicht.
Wenn jemand aufgrund einer Krankheit oder eines Leidens seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, wird zunächst geprüft, welche gesetzlichen Leistungen überhaupt möglich sind und ob eine Pension oder eine andere Leistung infrage kommt.
Dabei spielen unter anderem der Gesundheitszustand, das Alter, die Versicherungszeiten und die Möglichkeit einer Rehabilitation eine Rolle.
Genau deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Zusammenhänge zu kennen.

Was bedeutet Berufsunfähigkeit überhaupt?
Berufsunfähigkeit bedeutet vereinfacht gesagt, dass eine Person aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr oder nicht mehr in der bisherigen Form ausüben kann.
Dabei reicht eine einzelne Diagnose nicht automatisch aus.
Entscheidend ist die tatsächliche Auswirkung der gesundheitlichen Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Dabei können sowohl körperliche als auch psychische Erkrankungen eine Rolle spielen.
Zum Beispiel:
schwere Rückenprobleme
chronische Erkrankungen
Folgen eines Unfalls
psychische Erkrankungen
bestimmte neurologische Erkrankungen
andere gesundheitliche Einschränkungen
Ob tatsächlich eine Berufsunfähigkeit beziehungsweise Invalidität vorliegt, wird im jeweiligen Verfahren anhand der gesetzlichen Voraussetzungen und medizinischen Beurteilung geprüft.
Wer entscheidet über eine gesetzliche Pension wegen Berufsunfähigkeit?
Für die gesetzliche Pensionsversicherung ist grundsätzlich der zuständige Pensionsversicherungsträger verantwortlich.
Bei vielen Versicherten ist dies die Pensionsversicherungsanstalt (PVA).
Im Verfahren wird unter anderem geprüft:
Wie stark ist die gesundheitliche Einschränkung?
Welche Tätigkeit wurde bisher ausgeübt?
Welche beruflichen Möglichkeiten bestehen noch?
Sind medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahmen möglich?
Sind die notwendigen Versicherungszeiten vorhanden?
Es handelt sich also nicht um eine einfache Entscheidung nach dem Motto:
„Diagnose vorhanden = Pension.“
Rehabilitation vor Pension
Ein besonders wichtiger Grundsatz lautet:
Rehabilitation vor Pension
Bevor eine dauerhafte Pension wegen geminderter Arbeitsfähigkeit in Betracht kommt, wird grundsätzlich geprüft, ob durch medizinische oder berufliche Rehabilitation eine Rückkehr ins Berufsleben möglich ist.
Das kann beispielsweise bedeuten:
medizinische Rehabilitation
berufliche Rehabilitation
Anpassung an eine andere Tätigkeit
berufliche Neuorientierung oder Umschulung
Der Gedanke dahinter ist verständlich:
Wenn jemand wieder arbeiten kann, soll diese Möglichkeit zuerst unterstützt werden.
Was passiert, wenn die Arbeitsfähigkeit vorübergehend eingeschränkt ist?
Nicht jede gesundheitliche Einschränkung führt zu einer dauerhaften Pension.
Wenn die Arbeitsfähigkeit vorübergehend eingeschränkt ist und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, können andere Leistungen relevant werden.
Bei bestimmten Fällen kommt beispielsweise Rehabilitationsgeld infrage.
Das Rehabilitationsgeld ist eine Leistung für Personen, bei denen vorübergehend Invalidität beziehungsweise Berufsunfähigkeit vorliegt und medizinische Rehabilitation sinnvoll ist.
Die konkrete Anspruchsvoraussetzung hängt vom jeweiligen Fall ab. (oesterreich.gv.at)
Was ist Umschulungsgeld?
Wenn eine Person den bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, aber eine berufliche Neuorientierung möglich ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen Umschulungsgeld relevant sein.
Dabei geht es nicht einfach darum, eine Pension auszuzahlen.
Das Ziel besteht vielmehr darin, eine berufliche Wiedereingliederung zu ermöglichen.
Welche Leistung im konkreten Fall zuständig ist, hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und der individuellen Situation ab. (ams.at)
Welche Versicherungszeiten sind notwendig?
Hier wird es komplizierter.
Eine wichtige Voraussetzung für eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension sind grundsätzlich bestimmte Versicherungszeiten.
Die erforderlichen Zeiten hängen unter anderem vom Alter und vom Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität beziehungsweise Berufsunfähigkeit ab.
Deshalb ist die Aussage
„Man braucht immer 15 Jahre“
nicht richtig.
Ebenso falsch wäre es, pauschal zu sagen:
„Mit fünf Jahren Versicherungszeit bekommt jeder junge Mensch automatisch eine Pension.“
Es gelten unterschiedliche Regelungen und Ausnahmen.
Für bestimmte jüngere Versicherte gibt es beispielsweise erleichterte Voraussetzungen. Bei einem Eintritt vor dem 27. Lebensjahr können unter bestimmten Bedingungen bereits sechs Versicherungsmonate ausreichen. Für ältere Versicherte gelten dagegen andere Mindestversicherungszeiten. (oesterreich.gv.at)
Genau deshalb sollte bei einem konkreten Fall immer der individuelle Versicherungsverlauf geprüft werden.
Warum das Alter eine Rolle spielt
Die gesetzlichen Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Alter.
Das ist nachvollziehbar:
Eine Person, die bereits seit vielen Jahrzehnten versichert ist, hat einen anderen Versicherungsverlauf als ein junger Mensch, der erst wenige Jahre im Berufsleben steht.
Die gesetzlichen Regelungen berücksichtigen deshalb unter anderem das Alter und die bisher erworbenen Versicherungszeiten.
Eine pauschale Zahl für alle Versicherten gibt es daher nicht.
Wie hoch ist eine Berufsunfähigkeitspension?
Auch hier gibt es keine fixe Summe.
Die Höhe der gesetzlichen Pension hängt unter anderem von der bisherigen Versicherungsbiografie und den erworbenen Pensionsansprüchen ab.
Eine Rolle spielen beispielsweise:
Beitragsgrundlagen
Versicherungszeiten
Alter
bisher erworbene Pensionsansprüche
gesetzliche Zu- und Abschläge beziehungsweise besondere Regelungen
Die genaue Berechnung ist komplex.
Deshalb kann man nicht einfach sagen:
„Bei Berufsunfähigkeit bekommt man einen bestimmten Prozentsatz des bisherigen Gehalts.“
Das wäre irreführend.
Ein Punkt wird oft unterschätzt: Das Einkommen fällt weg
Nehmen wir ein einfaches Beispiel.
Markus verdient derzeit 3.000 Euro netto im Monat.
Nach mehreren Jahren mit gesundheitlichen Problemen kann er seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben.
Was passiert jetzt?
Seine laufenden Kosten verschwinden nicht.
Miete oder Kredit, Lebensmittel, Auto, Versicherungen und andere Ausgaben laufen weiter.
Gleichzeitig kann sich sein Einkommen deutlich verändern.
Genau hier liegt eines der größten finanziellen Risiken einer längeren Berufsunfähigkeit:
Nicht nur die Gesundheit verändert sich – auch die finanzielle Situation kann sich stark verändern.
Psychische Erkrankungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle
Wenn Menschen an Berufsunfähigkeit denken, denken sie häufig zuerst an einen schweren Unfall oder eine körperliche Erkrankung.
Aber Arbeitsfähigkeit kann auch durch psychische Erkrankungen erheblich beeinträchtigt werden.
Dazu können beispielsweise gehören:
Depressionen
Angststörungen
schwere Erschöpfungszustände
andere psychische Erkrankungen
Die Ursache einer Berufsunfähigkeit ist daher nicht automatisch ein Unfall.
Das ist auch ein wichtiger Unterschied zur privaten Unfallversicherung.
Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung sind nicht dasselbe
Diese beiden Versicherungen werden häufig miteinander verwechselt.
Eine private Unfallversicherung schützt grundsätzlich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls – abhängig vom jeweiligen Vertrag.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung setzt dagegen grundsätzlich bei einer gesundheitsbedingten Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit an.
Das kann auch durch eine Krankheit entstehen.
Deshalb kann eine Unfallversicherung eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht einfach ersetzen.
Warum eine private Berufsunfähigkeitsversicherung interessant sein kann
Die gesetzliche Absicherung ist eine wichtige Grundlage.
Sie ist aber an gesetzliche Voraussetzungen gebunden.
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert anders.
Sie basiert auf einem individuellen Versicherungsvertrag.
Je nach Tarif kann beispielsweise eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente vereinbart werden, wenn die vertraglichen Voraussetzungen für eine Leistung erfüllt sind.
Damit kann das Einkommen im Fall einer längeren Berufsunfähigkeit zusätzlich abgesichert werden.
Die Finanzmarktaufsicht weist darauf hin, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich dazu dient, finanzielle Folgen einer Berufsunfähigkeit abzusichern. Die konkreten Voraussetzungen und Leistungen ergeben sich aus dem jeweiligen Vertrag. (fma.gv.at)
Ein Beispiel: gesetzliche und private Absicherung
Anna arbeitet als Angestellte.
Sie hat einen schweren gesundheitlichen Rückschlag und kann ihren bisherigen Beruf langfristig nicht mehr ausüben.
Zuerst wird geprüft, welche gesetzlichen Leistungen für sie infrage kommen.
Dabei werden unter anderem ihre Versicherungszeiten und ihr Gesundheitszustand berücksichtigt.
Gleichzeitig schaut Anna auf ihre private Absicherung.
Sie hat bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen.
Wenn die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind, erhält sie zusätzlich die vereinbarte private Leistung.
Damit kann die Differenz zwischen ihrer bisherigen finanziellen Situation und den Leistungen der gesetzlichen Absicherung zumindest teilweise aufgefangen werden.
Was sollte man bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung beachten?
Wer über eine private Absicherung nachdenkt, sollte nicht nur auf die Höhe der monatlichen Prämie schauen.
Wichtig sind unter anderem:
Höhe der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente
Definition der Berufsunfähigkeit
Leistungsbeginn
Versicherungsdauer
Warte- oder Karenzzeiten
Nachversicherungsmöglichkeiten
Ausschlüsse
Dynamik
Beitragsentwicklung
Gesundheitsfragen bei Antragstellung
Gerade die Definition der Berufsunfähigkeit ist entscheidend.
Denn eine private Versicherung leistet nicht einfach deshalb, weil eine Person krankgeschrieben ist.
Entscheidend sind die Bedingungen des konkreten Vertrages.
Was viele Menschen erst spät merken
Die eigene Arbeitskraft ist für viele Menschen das wichtigste finanzielle Kapital.
Wenn Sie beispielsweise 30 Jahre alt sind und noch mehrere Jahrzehnte arbeiten möchten, hängt ein großer Teil Ihres zukünftigen Einkommens davon ab, dass Sie gesund arbeiten können.
Deshalb geht es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nur um die Frage:
„Was passiert, wenn ich morgen nicht mehr arbeiten kann?“
Sondern auch um:
„Wie würde meine Familie finanziell zurechtkommen, wenn mein Einkommen langfristig wegfällt?“
Diese Frage lohnt sich unabhängig davon, ob Sie angestellt oder selbstständig sind.
Fazit: Gesetzliche Absicherung kennen – private Lücke prüfen
Eine Berufsunfähigkeit führt in Österreich nicht automatisch zu einer staatlichen Pension.
Es müssen gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sein.
Dabei können unter anderem folgende Punkte entscheidend sein:
gesundheitliche Einschränkung
Versicherungszeiten
Alter
bisherige berufliche Situation
Möglichkeit einer Rehabilitation
weitere gesetzliche Voraussetzungen
Ein wichtiger Grundsatz lautet:
Rehabilitation vor Pension.
Und genau deshalb kann das Verfahren komplexer sein, als viele Menschen erwarten.
Die gesetzliche Absicherung ist wichtig.
Trotzdem kann es sinnvoll sein, zusätzlich zu prüfen, wie die eigene finanzielle Situation aussehen würde, wenn das Einkommen aufgrund einer längerfristigen Berufsunfähigkeit wegfällt.
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung kann – abhängig vom gewählten Vertrag – eine solche zusätzliche Absicherung darstellen.
Möchten Sie wissen, wie Sie Ihre Arbeitskraft absichern können?
Gerne bespreche ich mit Ihnen Ihre persönliche Situation und zeige Ihnen, welche Möglichkeiten für eine zusätzliche Absicherung bestehen.


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