KFZ-Pflichtversicherung erklärt - Was sie wirklich abdeckt – und was nicht
- Eszter Mesko
- 12. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Die KFZ-Pflichtversicherung – warum sie jeder braucht, aber kaum jemand versteht
Fast jeder besitzt ein Auto. Fast jeder zahlt dafür eine KFZ-Pflichtversicherung. Und doch wissen viele Menschen nicht genau, wofür sie eigentlich versichert sind. Die KFZ-Pflichtversicherung wird oft als lästige Pflicht wahrgenommen – dabei gehört sie zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt.
In Österreich ist sie gesetzlich vorgeschrieben. Ohne sie gibt es keine Zulassung, kein Kennzeichen und keine Teilnahme am Straßenverkehr. Doch der eigentliche Sinn dieser Versicherung liegt nicht darin, den Fahrzeughalter zu schützen, sondern alle anderen.

Wenn ein Moment alles verändert
Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit reicht aus. Ein Blick zu spät, eine Sekunde Ablenkung – und schon ist es passiert. Ein Unfall. Vielleicht nur ein Blechschaden. Vielleicht aber auch mehr.
Genau hier greift die KFZ-Pflichtversicherung. Sie übernimmt jene Schäden, die anderen Personen durch den Gebrauch des Fahrzeugs entstehen. Das können Reparaturkosten sein, Arztkosten oder auch langfristige finanzielle Folgen, wenn jemand nach einem Unfall nicht mehr arbeiten kann.
Was viele überrascht: Das eigene Fahrzeug ist dabei nicht versichert.
Welche Schäden die KFZ-Pflichtversicherung übernimmt
Die Versicherung unterscheidet grundsätzlich zwischen drei Arten von Schäden. Am schwerwiegendsten sind Personenschäden. Wenn Menschen verletzt werden, entstehen oft sehr hohe Kosten – medizinische Behandlungen, Rehabilitationsmaßnahmen, Pflege oder sogar lebenslange Rentenzahlungen. Genau aus diesem Grund sind die gesetzlichen Mindestdeckungssummen in Österreich besonders hoch angesetzt.
Daneben gibt es Sachschäden. Beschädigte Fahrzeuge, Mauern, Zäune oder Gebäude fallen in diesen Bereich. Auch hier können die Kosten schnell steigen.
Die dritte Kategorie sind Vermögensschäden. Sie entstehen dann, wenn jemand durch einen Unfall einen finanziellen Nachteil erleidet, zum Beispiel durch einen längeren Einkommensausfall.
Warum die hohen Deckungssummen in Österreich so wichtig sind
In Österreich haftet der Fahrzeughalter grundsätzlich unbeschränkt. Das bedeutet: Reichen die Versicherungssummen nicht aus, muss der Schaden aus dem eigenen Vermögen bezahlt werden.
Aus diesem Grund schreibt der Gesetzgeber Mindestdeckungssummen von mehreren Millionen Euro vor. Sie sollen verhindern, dass ein einzelner Unfall zur finanziellen Existenzbedrohung wird.
Ein Blick in die Praxis
Stellen wir uns einen realistischen Fall vor:
Ein Autofahrer übersieht beim Abbiegen ein anderes Fahrzeug. Zwei Personen werden verletzt, beide müssen im Krankenhaus behandelt werden. Zusätzlich entstehen Sachschäden an beiden Autos.
In diesem Fall übernimmt die KFZ-Pflichtversicherung die Behandlungskosten, das Schmerzensgeld und die Reparatur des gegnerischen Fahrzeugs. Der Schaden am eigenen Auto bleibt jedoch unversichert.
Viele Autofahrer merken erst in solchen Momenten, dass sie für ihr eigenes Fahrzeug keinen Schutz haben – es sei denn, sie haben zusätzlich eine Kaskoversicherung abgeschlossen.
Was die KFZ-Pflichtversicherung nicht leistet
So wichtig die KFZ-Pflichtversicherung auch ist, sie hat klare Grenzen. Eigene Schäden am eigenen Fahrzeug sind nicht gedeckt. Auch vorsätzlich verursachte Schäden fallen nicht unter den Versicherungsschutz.
In bestimmten Fällen kann die Versicherung zwar zahlen, sich aber das Geld später vom Versicherungsnehmer zurückholen. Man spricht hier von Regress. Das passiert zum Beispiel bei grober Fahrlässigkeit.
Österreich und Ungarn – ein kurzer Vergleich
Sowohl in Österreich als auch in Ungarn ist die KFZ-Pflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Der große Unterschied liegt jedoch in den Deckungssummen. Während Österreich sehr hohe Mindestbeträge vorsieht, sind diese in Ungarn deutlich niedriger.
Das kann im Ernstfall bedeuten, dass Schäden nicht vollständig gedeckt sind – ein Risiko, das vielen erst bewusst wird, wenn es zu spät ist.
Was man daraus lernen kann
Die KFZ-Pflichtversicherung ist keine lästige Formalität. Sie ist ein zentraler Schutzmechanismus für alle Verkehrsteilnehmer. Sie schützt vor finanziellen Folgen, die ein einzelner Unfall mit sich bringen kann – allerdings nur gegenüber Dritten.
Wer sein eigenes Fahrzeug absichern möchte, sollte über eine zusätzliche Kaskoversicherung nachdenken. Wer langfristig sicher sein will, sollte seine Versicherung nicht nur nach dem Preis auswählen, sondern nach dem tatsächlichen Schutz.
Fazit:
Die KFZ-Pflichtversicherung ist das Fundament jeder Autoversicherung. Man sieht sie nicht, man spürt sie nicht – bis man sie braucht.









Kommentare